Zeven/Oldendorf. Einhundertvierzig. So viele Bäume fallen dieser Tage zwischen Zeven und seinem Ortsteil Oldendorf der Säge zum Opfer. Das arme Gehölz! Da hausen Piepmätze drin, es wirft im Herbst ordentlich Laub (das man schön fegen kann), ist eigentlich nett anzusehen - und muss dem Neubau einer Umgehungsstraße weichen. Das gefällt - liest man die
Leserbriefspalte des Zevener Lokalblattes und sieht das dritte TV-Programm des NDR - vielen ganz und gar nicht. Und währenddessen meinen wir, dass der Hund noch ganz woanders begraben liegt. Aber dazu später mehr...
Da rechnet uns jemand vor, dass "ein Baum von 25 Metern Höhe und einer Baumkrone von 14 Metern Sauerstoff für zehn Menschen pro Jahr liefert. Ein solcher Baum hat in etwa eine äußere Blattfläche von 1600 Quadratmetern..." Aha. "...nun sind die betroffenen Bäume nicht so hoch, abgesehen von einigen alten Eichen. Also nehmen wir die Hälfte...", eben schnell den Taschenrechner raussuchen, "...dann liefern diese 140 Bäume für 700 Menschen Sauerstoff im Jahr. In Oldendorf als direkt betroffenem Ort leben ungefähr 320 Menschen."
In Oldendorf riecht es seit langem komisch
Apropos Sauerstoff und Menschen: Recherchen der Zevener ROW-People.Außenstelle ergaben, dass es in Oldendorf schon seit langem komisch riecht. Auch mit Bäumen. Sich so nennende Experten meinen, dass dies eine Folge der in dem Dorf recht ausgeprägten Schweinezucht sei. Die Viecher atmen dieselbe Luft wie wir Menschen und dünsten (von hinten betrachtet) jede Menge Methan aus. Das ist wie mit den Kuh-Pupsen, die uns neben den Industrie- und Autoabgasen den Klimawandel bescheren. So jedenfalls die Meinung anderer sich so nennender Experten.
"Moment", sagt der Ortsverband der Grünen im schwarz-rot regierten Zeven, "die geplante Umgehungsstraße hat einen immensen Flächenverbrauch." Und das lehnt er kategorisch ab. Genauso machen es drei Oldendorfer Bauern, die allerdings weniger aus Umweltschutzgründen, sondern wegen ihrer eigenen, auf der geplanten Trasse befindlichen Ländereien vor das Verwaltungsgericht gezogen sind. Ein Urteil steht noch aus. Und die Stadtverwaltung? Die sägt schon mal vorsorglich die Bäume auf den Flächen, die zur Kommune gehören, ab. Das Gehölz auf dem Areal der Landwirte steht noch.
Es bleibt dabei: Jede Menge Lastwagen in der Stadt
Klar ist jedenfalls, dass Zeven eine Umgehungsstraße braucht. Die in der Stadt vor einigen Jahren neugebaute Bundesstraße 71 hält nur den Verkehr aus der damals ebenfalls neu entstandenen Fußgängerzone raus. Der Rest der Zevener Einwohnerschaft sieht sich auch weiterhin mit jeder Menge Lastwagen - die vor allem von Bremerhaven nach Hamburg und umgekehrt unterwegs sind - konfrontiert. Und damit kommen wir jetzt zu dem eingangs erwähnten begrabenen Hund:
Der meiste Verkehr verläuft nicht von Bremervörde nach Rotenburg, sondern aus Richtung Gnarrenburg nach Sittensen, das heißt quer zu der aktuell geplanten Strecke. Darüber machen sich derzeit die allerwenigsten Gedanken. Auch nicht darüber, wie man den vielen Verkehr auf umweltfreundlichere Transportmittel wie zum Beispiel die Eisenbahn verlagern könnte. Schade eigentlich.
Bitte nicht verzweifeln!
Und was ist mit den 140 Bäumen? Für die gefällten Exemplare werden neue gepflanzt. Hektarweise. Gut, bis diese die Größe ihrer gerodeten Kollegen erreicht haben, dauert es noch einige Jahre. Aber das haben Bäume nun mal so an sich. Also bitte nicht verzweifeln, liebe Einwohner Zevens und Oldendorfs! (
dave)