Und 2014 dann Rage Against The Machine

Veranstalter und Polizei ziehen Hurricane-Bilanz 2013

Scheeßel. Das nur kurz vorweg: Vom 20. bis 22. Juni 2014 solltet ihr euch nichts großartig vornehmen. Dann steht das Programm nämlich schon fest. Ihr kehrt dann zurück an den Scheeßeler Eichenring. Das Hurricane Festival wird wieder rufen. Es geht weiter - und es wird eure nächste Chance sein, mehr als nur ein paar Erinnerungsfetzen und dreckige Gummistiefel mit nach Hause zu bringen. Aber was ist eigentlich so hängen geblieben? War jetzt irgendwas anders, besser, aufregender? Irgendwie werden wir den Verdacht nicht los, dass das schon fast "business as usual" war, was da am langen Wochenende über uns hinweg gewalzt ist. Auch wenn die Organsisatoren natürlich in höchsten Tönen schwärmen.

 

1.400 Kubikmetern Rindenmulch

 

Drei Tage lang feierten 73.000 Festivalfans die beeindruckenden Auftritte von Bands wie Rammstein, Queens Of The Stone Age, Arctic Monkeys, Deichkind, Billy Talent, Paul Kalkbrenner, Sigur Rós, Portishead, The Smashing Pumpkins und vielen mehr, heißt es zum Beispiel im Fazit von FKP Scorpio. So früh wie noch nie in ihrer Geschichte seien die Zwillingsfestivals Hurricane und Southside ausverkauft gewesen. Das Hurricane Festival habe zunächst seinem Namen alle Ehre gemacht: Unwetterwarnung und Starkregen. Das Unwetter überraschte die Hurricane-Besucher mitten in der Anreisewelle am Donnerstagabend. Starker Regen weichte daraufhin viele Campingflächen und Parkplätze auf. "Wir stehen immer mit dem Deutschen Wetterdienst in Kontakt und bekommen alle Warnungen sofort mitgeteilt. Darum konnten wir gemeinsam mit den beteiligten Behörden umgehend die nötigen Maßnahmen in die Wege leiten und so gab es – abgesehen von den massiven Wassermengen – keine größeren Zwischenfälle“, erklärt Jasper Barendregt, Festivalleiter FKP Scorpio. Der weiche Untergrund verlangsamte die Befüllung der Parkplätze deutlich und so kam es in Folge des Unwetters zu massiven Staus im Festivalumfeld. Viele Besucher nutzten erfreulicherweise die erstmalige Möglichkeit, mit dem Festivalticket umsonst im Metronom fahren zu dürfen. Fast 25 Prozent nahmen dieses Angebot in Anspruch. Auch ließen sich die Besucher vom Wetter die Festivallaune nicht verderben. Als am Freitag um kurz nach 14 Uhr die Tore öffneten, strömten sie zu den Arkells und Skaters auf das mit 1.400 Kubikmetern Rindenmulch und 600 Tonnen Schotter an den matschigsten Stellen hergerichtete Gelände.

 

Überraschungskonzert auf dem Campingplatz

 

„Ich habe großen Respekt vor unseren Hurricane-Fans, die sich trotz der widrigen Umstände so toll auf dieses Wochenende eingelassen haben. Viele Künstler haben mir nach ihren Gigs erzählt, wie unglaublich die Stimmung vor der Bühne war.“, sagt Stephan Thanscheidt, Leiter des Festivalbookings. Frightened Rabbit zog es am Samstag gar zu einem Überraschungskonzert auf das Campinggelände. Einziger Wermutstropfen war die Absage von Tame Impala, deren Equipment im belgischen Zoll festhing. Als kleine Sensation konnte das Hurricane Festival in diesem Jahr als eines der ersten Festivals in Deutschland ein Riesenrad aufstellen und der Blick von oben erfreute sich großer Beliebtheit. 73.000 Hurricanebesucher, das bedeutet für die Veranstalter die Infrastruktur einer Kleinstadt auf und um den Eichenring nach Scheessel zu bringen. Sowohl die Veranstalter als auch die Bürgermeisterin von Scheessel, Käthe Dittmer-Scheele, sind zufrieden mit dem Verlauf und freuen sich auf nächstes Jahr.

 

Mehr kriminelle Vorfälle

 

Mit leicht gemischten Gefühlen bilanziert die Polizei ihre Hurricane-Erlebnisse. Schwerer als in den vergangenen Jahren habe sich am Montagvormittag die Abreise von den Parkplätzen rund um das Festivalgelände gestaltet. Am Morgen war noch rund die Hälfte der Besucher auf den Campingplätzen. Über 10.000 Autos standen auf den Parkplätzen und mussten sich durch den Schlamm quälen. Mit Traktoren wurden viele Fahrzeuge wieder flott gemacht - leider mitunter zu horrenden Preisen, wie uns zugetragen wurde. Auf den Abreiserouten, vor allem über die B 75 in Richtung Sottrum und Autobahn, kam es dann zu langen Staus und Wartezeiten.

In der letzten Fstival-Nacht hatten die auf dem Eichenring eingesetzten Beamten mehr zu tun als ihnen lieb war. Auf den Zeltplätzen war es zu zahlreichen Bränden von Zelten und auch von Dixi-Toiletten gekommen. Offensichtlich war eine kleine Gruppe gewalttätiger Menschen über das Gelände gezogen und hatte mutwillig kleine Brände gelegt. Feuerwehr und Polizei, aber auch Sicherheitskräfte des Veranstalter, hatten alle Hände voll zu tun, um die Feuer zu löschen und für die Sicherheit der Besucher zu sorgen. Körperlich zu Schaden kam zum Glück niemand.

Am Morgen wurden der Polizei zwei Einbrüche in Transporter  angezeigt, bei denen in beiden Fällen die Einnahmen von Marktbeschickern gestohlen wurden. Im roten Mercedes-Spinter des  Betreibers einer Döner-Bude fanden die Täter in dessen Abwesenheit  einen hohen Geldbetrag. In den Mercedes-Spinter eines  Crepes-Verkäufers brachen sie ein, obwohl der Mann im Fahrzeug  schlief. Auch hier wurden ein hoher Bargeldbetrag entwendet.

 

Vier Sexualdelikte angezeigt

Insgesamt hat sich die Zahl der Diebstahlstaten erhöht. Derzeit  verzeichnet die Polizei 140 Diebstähle. 68 Mal stibitzten Langfinger Geldbörsen und Smartphones aus den Taschen der Festivalbesucher. 41 Mal drangen Täter in ein Zelt ein und suchten dort nach Wertgegenständen. Auch die Anzahl der Körperverletzungen ist bis  Montagmorgen angestiegen. 28 körperliche Auseinandersetzungen werden ein gerichtliches Nachspiel haben. 22 Täter wurden dabei erwischt, wie sie sich unerlaubt Zugang auf das Gelände verschafft haben. Hier  ermittelt die Polizei wegen des Erschleichens von Leistungen. In vier Fällen wurden Sexualdelikte angezeigt. Hier werden polizeiliche Ermittlungen in den nächsten Tagen genaueren Aufschluss über die Tathergänge geben. An den Kontrollstellen während der An- und Abreisewurden Rauschgiftexperten der Polizei und des Zoll in 75 Fällen fündig. Für 56 Fahrzeugführer wurde dort die Fahrt zum Festival oder nach Hause beendet, weil sie vor Fahrtbeginn Rauschgift konsumiert hatten. Im Vergleich zum Vorjahr dürfte sich das Straftatenaufkommen erhöhen, läge aber noch deutlich unter den Zahlen aus 2010 und 2011.

 

Hurricane im TV

 

Bevor ihr euch dann jetzt auf 2014 freut und zwischendurch vielleicht noch das eine oder andere Festival besucht, um den Vergleich zu haben, wollen wir euch auch noch auf die folgenden TV-Übertragungen hinweisen: 

 

Das Hurricane auf ZDF Kultur

  • Mo, 24.06.2013, 23.15 Uhr
  • Di, 25.06.2013, 23.40 Uhr
  • Mi, 26.06.2013, 22.55 Uhr
  • Do, 27.06.2013, 23.15 Uhr
  • Fr, 28.06.2013, 23.05 Uhr
  • Mo, 01.07.2013, 00.15 Uhr
  • Di, 02.07.2013, 00.30 Uhr
  • Mi, 03.07.2013, 00.00 Uhr
  • Do, 04.07.2013, 23.30 Uhr,
  • Fr, 05.07.2013, 23.15 Uhr

 

Und auf ARTE

  • Samstag, 17.08.2013 um 23.40 Uhr

 

Und um die Headline ganz oben aufzulösen: Ja, Rage Against The Machine könnten nach langem Anlauf 2014 wirklich dabei sein. Das ließen die Veranstalter jedenfalls überraschenderweise bereits durchblicken. Mindestens bei 50 Prozent lägen die Chancen. Da würden wir nicht Nein sagen. Ihr etwa? (krü)