Eine Reise auf den Flügeln der Nacht

Der "Tanz der Vampire" neigt sich in Oberhausen dem Finale.

Oberhausen. Eindrucksvoll, witzig und einfach hinreißend singen sich die Vampire in die Herzen der Zuschauer. Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende und das bedeutet, dass ein Umzug bevorsteht. Die Särge müssen nach Stuttgart verschoben werden, denn ab Februar 2010 tanzen dort Graf Krolock und seine Gefolgschaft. Das Musical „Tanz der Vampire“ gastierte bisher im Metronom in Oberhausen. Das eindrucksvolle Gebäude wurde ursprünglich für die sprachlosen, blauen Männchen aus der Blue Man Group errichtet und wartet nun auf die Ankunft der (grünen) Hexen aus Wicked. „Tanz der Vampire“ ist voller Leben, Humor und herzergreifender Musik. Wer den gleichnamigen Film von und mit Roman Polanski als Assistent Alfred aus dem Jahr 1967 gesehen hat, hat eine ungefähre Vorstellung von der Handlung des Stücks. Der alternde, forschungslustige Wissenschaftler Professor Abronsius reist mit seinem ängstlichen Assistent Alfred ins sagenumwobene, kalte Transylvanien, wo er in den Bergen auf ein altes, düsteres Schloss und mit Knoblauch behangende Dorfbewohner trifft. Als dann auch noch Todesopfer mit Bissspuren am Hals und völlig blutleer auftauchen, kombiniert er eins und eins. Der Täter ist kein Mensch. Sein Gehilfe verliebt sich in die unschuldige Dorfschönheit Sarah. Nur dumm, dass gerade dieses blutjunge Mädchen von dem Schlossbesitzer und Grafen Krolock höchst selbst begehrt wird. Er kann nicht verhindern, dass sie von dem unsterblichen Mitstreiter entführt wird. Eigentlich rennt sie freiwillig in die fledermausähnlichen Arme des geheimnisvollen Mannes mit den markanten Augenbrauen und der nebenbei bemerkt eindrucksvollen Aura, nachdem er sie höflich zu einem aufregenden Ball im Schloss eingeladen hat. Es stört sie auch nicht, dass er das tut während sie in der Badewanne sitzt.






Es kommt, wie es kommen muss: Der Professor und sein Assistent statten dem Grafen einen Besuch ab. Dieser zeigt sich gastfreundlich und lädt die beiden in sein Schloss ein. Auf der Suche nach Sarah treffen die beiden auf den männerliebenden Sohn des Grafen, der sich Alfred verliebt und diesen am liebsten gleich behalten würde. Der Ball rückt näher und es gelingt ihnen nicht die Untoten durch einen beherzten Piekser mit dem Holzpflock im Schlaf zu vernichten. Am Festabend tanzt der Graf mit seiner nun in voller Schönheit erblühten Sarah, nicht ohne von ihr zu trinken, aber die drei (noch) Lebenden fliehen, bevor das Festmahl beginnt und flüchten in den Wald, doch auch hier lauert Gefahr…



Eins vorweg: Jede Frau wäre in dieses verdammte Schloss geflüchtet, um mit dem Grafen zu tanzen. Da nützt auch kein übervorsichtiger Vater, der ihr Zimmer mit Holzbalken vernagelt, wie in einer der ersten Szenen. Die Zerrissenheit und Verzweiflung des Grafen aufgrund seines Daseins berührt die Zuschauer und lässt das Dunkle nicht mehr nur Schwarz, sondern grau erscheinen.






Schon gleich zu Beginn bekommt der Zuschauer mit dem Lied „Gottes Tod“ einen Einblick in die Seele des Grafen, sofern er noch eine hat. Gut gegen Böse ist hier nicht die Hauptthematik, auch wenn es den äußeren Anschein macht. Der ängstliche Alfred, der durch die Liebe zu Sarah zu einem mutigen Mann wird; die behütete und leicht naive Sarah, die bisher nie ihrem Freiheitsdrang nachgeben durfte und nun endlich aus ihrem kleinem Zimmer hinaus kann; der alternde Professor, der seinem Wissensdurst stillen will; und schließlich der düstere Graf, der wie eine Leuchtflamme über der gesamten Handlung brennt. Sie alle haben ein Motiv in diesem Schloss zu sein. Der Song „Total eclipse of my heart“ von Bonnie Tylor wird hier mal nicht wie in so vielen flachen Coverversionen missbraucht, sondern kann sich durch die starken Stimmen komplett entfalten. Kein stumpfer Bass wie in der Technoversion, sondern dramatische Orchester. Aber „Sei bereit“ ist nur eines der Ohrwürmer, die sich in den Gehörgang der Zuschauer stehlen. Komponist Jim Steinman hat ganze Arbeit geleistet. Auch die Tanzliebhaber kommen voll auf ihre Kosten: Kein langsamer Walzer, sondern schneller, lebhafter Tanz. Eine bunte Mischung aus Standard, Ballett und Jazzdance. Die Kostüme und Bühnenausstattung sind imposant. Alles passt zusammen, selbst, wenn der Zuschauer während einer Szene sieht, wie sich der Schauplatz vor seinen Augen ändert. In einigen Szenen fürchtet man regelrecht um die Schauspieler. Wer noch in Oberhausen mit den Vampiren tanzen will, sollte sich schnell Tickets sichern. Hingehen, eintauchen, fallen lassen und genießen. Es gibt eben bestimmte Dinge, die man in seinem Leben tun sollte und einmal Vampiren beim Tanzen zusehen, gehört auf jeden Fall dazu. (fh).



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