Es wird mal wieder Zeit für etwas Lokales: Die Bremer Gruppe
Stun veröffentlichen am 13. April ihr zweites Album „OK Hunter“ und da erscheint es nur logisch, dass wir diesem Ereignis besondere Aufmerksamkeit gewähren und zwei Rezensionen veröffentlichen. Am Ende muss man aber selbst entscheiden, wer Marco Görlich (Gesang), Roman Pelz (Gitarre), Moritz Vandreier (Drums) und Johann Dallmeyer (Bass) tiefer in den Hintern kriecht.
Das meint Matthias
Sie hat sich angekündigt, die „OK Hunter“. Ganz perfide haben Stun bereits am Heiligabend 2010 ein Demo von der ersten Single „Paris Vegas“ hochgeladen; so von wegen: „Ätschibätsch, neue Platte und so. Hier ein arschgeiler Appetizer aber mehr gibt’s die nächsten drölf Jahre nicht. Haha!“ Lange Nase gezeigt. Wie soll man darauf reagieren? Ganz klar, mit Beschwerde!
Auf solche Platten sollte man nicht warten brauchen. Solche Platten sollte man sofort haben und nicht erst 499 Tage darauf warten müssen, auch wenn gute Aufnahmen ihre Zeit kosten. Bei „Paris Vegas“ war ja schon lange klar, dass dies ein geiler Song ist, aber der Rest? Was ist mit dem Rest? Das Gesamtwerk „OK Hunter“ ist geprägt von einer ganzen Reihe musikalischer Wahnsinnsmomente. Bei „Wired“ erwartet man alles andere als diese großartig trotzige Gesangslinie im hinteren Part (Lieblingsmoment!), in „Hail Will Drum“ gibt die Band zum Schluss noch mal alles, metallicaeskes Intro in „Summer“, Bläser! Fuck Yeah! Und das sind nur die Beispiele, die man auch in Worte fassen kann, ohne wie ein verliebter Dorftölpel zu klingen. Der Rest muss gehört werden.
Stun schufen mit „OK Hunter“ eine Platte, um die sie selbst ihre musikalischen Helden beneiden werden. Nahezu jedes Lied beginnt stark und schafft es immer, noch einen draufzusetzen. Bis auf „Monotone“, das ist doof. (
mr)
Das meint Pascal
Richtig schön bedient. Fertig. Müde und kaputt. Träge sind die Bewegungen. Die Energie fehlt. Doch dann ist da dieser Moment. Dieser Augenblick zwischen zwei Menschen, der kaum erklärbar ist. Sie schauen sich an. Es funkelt kurz in den Augen. Sie fühlen sich verbunden. In der Einsicht, im Gefühl. Sie wissen ganz genau, dass dies ihr Zeitpunkt ist. Die Energie setzt sich frei. Die Trägheit wird durch das Empfinden des Moments gesprengt, zerberstet. Ein Augenblick zwischen Gewalt und Liebe, Brutalität und Feinfühligkeit.
Das Debüt-Album „And At Least You Dance“ der Band Stun schaffte es, dieses Gefühl zu erzeugen. Also sollte jeder Hörer des neuen Albums „Ok Hunter“ genau mit diesem Anspruch wieder an die Werke herangehen. Mit dem Spürsinn und dem Riecher, diese Szenen zu finden. Doch was ist das? Der erste Eindruck täuscht: Ist das alles poppiger geworden? Tasteninstrumente und Bläser? Was wollen die Jungs denn? Wo sind all die verschrobenen Melodiebögen, die Gitarrenwände, die Auf-Die-Fresse-Sounds? Drei Jahre Arbeit in „Ok Hunter“ gesteckt und diese unvergleichlichen Sounds fehlen? Eine feine Täuschung. Denn weit gefehlt: Der erste Eindruck täuscht und zwar richtig. Hören, lauschen und immer in die Gehörgänge lassen. Denn dann drückt es so, wie es sein sollte. Auf keinen Fall leise hören. Diese Musik ist erst dann richtig gut, wenn man alle Feinheiten hört. Wenn man die Arbeit bemerkt, die in jeder Sekunde steckt. Wenn der Schweiß sich bemerkbar macht, der in vielen Tagen, Nächten, Monaten und Jahren in dieses Album gesteckt wurde. Es sind zehn Songs entstanden, die anders sind. Aber immer noch Stun. Es klingt anders, fühlt sich aber wieder so an. Abstrakter, individueller, minimalistischer und auch bombastischer. Es sind mehr Facetten und ein Spiel zwischen dem Wunderbaren und dem Gnadenlosen. Grob, rabiat und rau auf der einen Seite, charmant, liebenswert und gefühlvoll auf der anderen.
„Kids Explode“ und „Paris Vegas“ fallen besonders auf. Sie bringen das, was Stun am besten kann, richtig gut zu Geltung: Tempiwechsel, wenn sie nicht erwartet werden. Melodien, die erst beim mehrfachen Aufnehmen verständlich werden. Brüche im Rhythmus, die so ungewöhnlich sind. Grandios.
Und dann gibt es auch diesen beschrieben Moment, der die Energie entlädt, der Mut macht. Dieses Fälligkeitsdatum für zwei Menschen, um sich verbunden zu fühlen. So wie diese zwei Herren, die sich bei einem Stun-Song anschauten und wu
ssten, dass es ihr Song ist. Ihr Augenblick. In dem sie alles um sich herum vergaßen. Aber: Sucht ihn selbst diesen Moment. Ihr werdet ihn finden. (
pfa)
Tracklist
Kids Explode
Ruins Of The Past
Wired
Paris Vegas
Summer
Hail Will Drum
Love
You In Me
Monotone
Chased By Your Own